Headline: Face the Music!

Face the Music Orchester nachhaltig weiterentwickeln
Im Verlauf der Tagung fanden besondere Musikformate satt: die 1:1-Konzerte. Stefan Gloede

Bericht über eine gemeinsame Tagung des RIFS und der Kammerakademie Potsdam

Orchester, Ensembles und Konzerthäuser in Deutschland setzen sich zunehmend mit Nachhaltigkeitsthemen auseinander. Aber zeichnet sich bereits eine Transformation zum zukunftsfähigen Konzertbetrieb ab? Welche strukturellen Voraussetzungen müssen noch geschaffen werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Tagung „Face the Music! Orchester nachhaltig weiterentwickeln“ des RIFS und der Kammerakademie Potsdam (KAP) Anfang Juli, wo sowohl Akteurinnen und Akteure des deutschen Kultur- und Konzertbetriebs als auch aus Nachhaltigkeitsforschung und Politik zusammenkamen.

Face the Music Orchester nachhaltig weiterentwickeln Dachterrasse
Auf der Dachterrasse des RIFS wurde eine Variante der 1:1-Musikperformances umgesetzt. Stefan Gloede

Exzellenzvorstellungen neu definieren

Als roter Faden zog sich das Umdenken von Exzellenzvorstellungen in der klassischen Musik durch die Tagungsinhalte, eine Herausforderung in einer Musikkultur, die großen Wert auf künstlerisch-technische Leistung legt. Aber eine mit Exzellenz verbundene Optimierungslogik verträgt sich nicht mit dem Streben nach Maß, das für einen ressourcenschonenden Konzertbetrieb angezeigt wäre – so die These des Eröffnungsvortrages von Professorin Julia Glesner. In den anschließenden Diskussionsrunden wurde wiederholt dafür plädiert, den Exzellenzbegriff neu zu definieren, um etwa den Schwerpunkt der orchestralen Praxis stärker auf Angebote für prozessorientiertes Arbeiten mit lokalen Communities zu legen – und sich weniger durch internationale Reisetätigkeit zu profilieren.

In einer Podiumsdiskussion ging es um mögliche Synergien zwischen Diversität – vor allem im Sinne von kulturell-ethnischer Herkunft des Personals und Publikums – und Nachhaltigkeit, zwei hochaktuelle Themen, die aber meistens getrennt behandelt werden. Vorgeschlagen wurden kreative und solidarische Lösungen, beispielsweise ungenutzte Proberäume in Konzerthäusern lokalen Musikerinnen und Musikern unterschiedlichster Kulturen zur Nutzung anzubieten.

Face the Music Orchester nachhaltig weiterentwickeln Tiefgarage
Auch eine Tiefgarage kann zu einem besonderen Klangerlebnis verhelfen und zum Nachdenken über den Orchesterbetrieb animieren. Stefan Gloede

Orchesterbetrieb entschleunigen

Weitere, wichtige Themen waren die Entschleunigung im Orchesterbetrieb - angestoßen von einem Vortrag des Komponisten Bernhard König. Entschleunigung könne sich positiv auf Familienfreundlichkeit und gesündere Arbeitsbedingungen auswirken. Ebenso sei das berufliche Selbstverständnis von Musikerinnen und Musikern neu zu definieren, um eine reflektierte, sozial-engagierte Orchesterpraxis zu fördern. 

 Natürlich war an beiden Tagen viel Musik. Neben Performances der KAP fanden begleitend zur Tagung sogenannte „1:1 Konzerte“ am RIFS statt. Hier begegneten sich eine musizierende Person und eine Hörerin oder ein Hörer für ein zehnminütiges Konzert. Während im Tagungsraum weiter diskutiert wurde, konnten sich einzelne Teilnehmende und Besuchende aus der Umgebung auf der Dachterrasse, in der Tiefgarage oder im Meditationsraum des RIFS Zeit für ihren eigenen musikalischen „Entschleunigungsmoment“ nehmen.

Face the Music Orchester nachhaltig weiterentwickeln Tresor
Wo sonst meditiert und yogiert wird, fanden bei der Tagung 1:1-Konzerte statt und boten die Chance für besondere Entschleunigungsmomente. Stefan Gloede

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